Impressum |  Kontakt
 


17.01.14 23:27 Alter: 6 Jahre

Das Wort zum Freitag

 

Kritik ja, Häme verdienen die Düwels nicht

 

Von ihrem Saisonziel haben sich die Düwels verabschiedet. Alles andere wäre leichtsinnig und fahrlässig. Dithmarschen Leistungshandball ist dem Abstieg aus der Oberliga näher als dem Klassenerhalt. Ab jetzt wäre die Saison ein Erfolg, wenn die Düwels drin bleiben. So muss man es sehen.

 

Unweigerlich sind Fehler gemacht worden, wenn eine Mannschaft dermaßen abschmiert. Zu lange wurden die Negativerlebnisse mit Gelassenheit betrachtet (“Wird schon . . .”), statt nach einer Blamage bei der SG Hamburg-Nord eine Trotzreaktion zu entwickeln: “Jetzt erst recht!” Im übrigen ist das Abschneiden auch eine Qualitätsfrage. Mit dieser Besetzung hätten die Dithmarscher nicht einmal unter günstigsten Umständen um den Titel gespielt. Fehleinschätzungen, Fehlverhalten, fehlerhafte Bewältigung vieler Niederlagen – das darf man den Düwels vorwerfen.

 

Aber warum sachlich – wenn es auch persönlich geht?

 

Das ist der Tenor mancher Stellungnahme. Einzelne Zeitgenossen gießen Kübel voller Hohn und Spott über Trainer und Mannschaft aus. Jahrelang gezügelter Neid oder persönliche Aversionen brechen sich Bahn. Auch dummes Geschwätz kommt heraus. Sportler machen so etwas nicht. Sportler treten nicht nach, wenn einer am Boden liegt.

 

Denn eins steht nun mal fest: Erfolgreich waren die Düwels in ihren guten Zeiten. Seit 2008, als fast das gesamte restliche Dithmarschen im Dornröschenschlaf dämmerte, bereicherten sie die Region mit Drittliga-Handball. Ehemalige Erstliga-Profis und Olympiasieger mussten sich in Pahlen strecken. 700 Zuschauer erlebten eine Sternstunde, als sie mit ihrer Mannschaft im April 2011 die Handballfreunde Springe um Meisterschaft und Zweitliga-Aufstieg brachten.

 

(http://www.sportplatz.sh/sport/handball/menschliche-regungen/) Schon der Kosten wegen könnte in dieser Region kaum ein Mehrspartenverein mit seiner Verantwortung für alle Mitglieder so etwas auf die Beine stellen. In einer solchen Saison sind an Verbandsgebühren und Schiedsrichterkosten 5000 Euro und mehr fällig, bevor der erste Ball geworfen wird.

 

Die Düwels waren Vorläufer. Andere folgten, ob mit oder ohne solche Vorbildwirkung. In der Südermarsch wurde A-Jugend-Handball alle zwei Wochen lang zu einem Erlebnis, das an die Zweitliga-Jahre der HSG Marne/Brunsbüttel vor der Jahrtausendwende anknüpfte. Der TSV Büsum marschierte aus der Kreisoberliga in die Schleswig-Holstein-Liga. Die HSG Weddingstedt/Hennstedt/Delve verfolgt seit einiger Zeit ein schlüssiges, mittelfristiges Konzept. Die Männer der HSG Marne/Brunsbüttel halten die Erbmasse der SG Dithmarschen Süd in Ehren, die sich derweil dem - kostengünstigeren – weiblichen Leistungshandball widmen.

 

Das alles ging und geht ohne großes Geschrei und ohne Verächtlichmachung eines Gegners – auch bei den Düwels ist in der guten Zeit kaum mal einer verbal übers Ziel geschossen. Da muss man ihnen nichts heimzahlen.

 

Umgekehrt könnte es gehen. Wenn die Dithmarscher, beginnend mit dem Freitagspiel in Neumünster, den Rest der Rückrunde (http://www.sportplatz.sh/sport/handball/wenn-es-freitag-wird-in-pahlen/) ausgeglichen gestalten (und das entspricht ihren Fähigkeiten), blieben sie in der Oberliga und hätten alle – nein: nicht Kritiker, aber alle Übelwollenden, Destruktiven und Zerfressenen – beschämt. Für die Sportszene des Kreises wäre ihr Klassenerhalt ein Gewinn. Auch deshalb ist einem untadeligen Sportsmann wie Steffen Kobs ein (siehe oben) erfolgreicher Abschied vom Traineramt zu wünschen.

 

www.sportplatz.sh von Wolfgang Ehlers am 16.01.2014